Sonntag, 21. September 2014

Mein erster Lauf

Voriges Jahr schon wollte ich den Kiel.Lauf mitlaufen, für motivierte 10,5 km hatte ich mich angemeldet. Dann im März im Urlaub auf Langeness die Außenbänder des rechten Sprunggelenks sauber abgerissen. Aus der Traum vom Training, das Jahr war gelaufen.

Ende 2013 haben wir uns einen Traum erfüllt und ein Haus im Grünen gekauft. Mit Renovierung/Umzug im Februar und März waren wir dann erstmal genug beschäftigt. Der Kiel.Lauf war aber irgendwo im Hinterkopf. "Irgendwann, wenn wieder Luft ist, mal grundsätzlich wieder mit dem Lauftraining beginnen." Ja, irgendwann ... Irgendwann kommt irgendwie immer nie, kennt Ihr das auch? Es gab ja genug Ausreden Gründe, nicht laufen zu können. Immer war irgendwas, Garten und so ...

Kommt eines Tages - es war glaube ich April - der beste Ehemann mit der Botschaft nach Hause: "Hase, ich hab uns dann mal beide für den 10,5 km Lauf angemeldet!" Nicht, dass ich mich jetzt unter Druck gesetzt überrumpelt fühlte. Natürlich laufe ich nicht für irgendeinen Wettkampf, ich laufe für mich, für meine Gesundheit, für mein Wohlbefinden, nicht zuletzt für meine BikiniBadeanzugfigur. Dennoch spornt so ein Ziel ungemein an. Ich wollte ja nun nicht ganz blöd dastehen. Mein Ziel war ankommen und nicht Letzte werden. 

Also ran ans Trainig, so viel Zeit war von April/Mai bis September von null auf 10,5 km zu kommen ja nun nicht. Der erste Lauf: 3 km mit acht oder zwölf Gehunterbrechungen in gut einer halben Stunde. "Oh Mann, das schaff ich nie!" Ich bin dran geblieben, die Gehunterbrechungen wurden weniger, die Strecke dann irgendwann länger. 10,5 km an einem Stück ohne Gehpausen habe ich vor dem Wettkampf überhaupt nur einmal geschafft, in 1 Std. 24 Min. Zu Hause gleich mal auf die Vorjahresergebnisse geschaut: Gut, ein paar wären da noch nach mir ins Ziel gekommen. Nicht viele, aber immerhin.

Es kam der Tag des Laufs. Wir sind schon früh gefahren wegen der Straßensperrungen nach Kiel rein und der Parkplatzsituation in Kiel. Morgens nur eine Banane gegessen als Kohlehydratspeicher. Kein Kaffee, nix! Der Dixies auf der Strecke sind nicht so viele. Und wie peinlich ist das denn auf der 10,5 km Strecke?! Also erstmal aufm Rathausplatz ne Bank gesucht, die Beine müssen ja noch geschont werden. Mann, was war ich aufgeregt. Dann die ersten Starts. Die Bambinis, die Schüler und die 6 km Läufer wurden auf die Strecke geschickt. Dann machten wir uns langsam fertig, die schnellen 10,5 km Läufer gingen an den Start. Ich bin natürlich in der langsamen Startgruppe, der beste Ehemann aus Solidarität auch. Schnell ein Vorherfoto:



Ich bin im Team der CAU mitgelaufen, die aus Anlass der Feierlichkeiten zum 350-jährigen Jubiläum im kommenden Jahr eine 35 Läufer starke Truppe in die verschiedenen Läufe geschickt hat. Nächstes Jahr sollen dann 350 Läufer an den Start gehen.

Die schnellen Läufer wurden gestartet, fünf Minuten zu früh, was die einzige Panne auf dieser grandios organisierten Veranstaltung darstellte. Ich also an den Start, nicht ganz vorne, aber auch nicht zu weit hinten. Es fing an zu nieseln. Der Schuss fiel, es ging los. Ich habe mich eher an den Rand orientiert, weil ich wusste, dass unendlich viele Läufer schneller waren als ich, vor allem zu Anfang. Also über die Startlinie und rauf auf die tolle Strecke quer durch Kiel. Es ging gut. Unterwegs immer mal mehr, mal weniger Zuschauer. Musikgruppen haben angeheizt und angespornt, uns über die Strecke getragen. Dann die endlos lange Kiellinie, der erste Verpflegungsstand. Wie jetzt, erst 3 km?! Ein Gedanke im Hinterkopf: Du könntest jetzt schön auf der Couch sitzen mit Strickzeug und nem Pott Kaffee. Zähne zusammenbeißen, Blick auf die Hacken der Vorderfrau oder des Vordermannes. Immer mehr zogen an mir vorbei. Ist überhaupt noch einer hinter mir? Bin ich schon die Letzte? Ich traute mich nicht zurückzuschauen. Eine Uhr hatte ich auch nicht um. Konnte also absolut nicht sagen, in welcher Laufzeit ich mich befand. 

Weiter ging es, endlich das Ende dieser langen geraden Strecke. Links ab, Kopfsteinpflaster und ne fiese Steigung. Die ersten 100 m tapfer gekämpft, dann nach etwas über 5 km die erste Gehpause. Mit Freuden registriert, dass ich im Gehen Läufer, die liefen, überholte. Also nicht mehr Letzte. Nun ging es quer durch Düsternbrook, den gehobensten Stadtteil Kiels. Aus manchen Fenstern und von Balkonen klang laute Laufmusik, Erwachsene und Kinder standen an den Straßenrändern, mit Kaffee, Vuvuzelas und Trommeln bewaffnet. Sie trugen die Schar der Läufer die Steigungen rauf. So konnte auch ich diese Ecke mit einer weiteren Gehpause bewältigen. Die letzte Steigung rauf, ich wusste, danach geht es nur noch runter, es folgte die Holtenauer Straße mit ihrer Partymeile, vielen Zuschauern und verdammt guter Stimmung, dazu wieder viel Musik. Ein Sprecher auf der Ecke: "Ihr habt es bald geschafft, nur noch 2,1 km!" Der Niesel, der uns ab und zu begleitete, ging nun ganz plötzlich in einen Wolkenbruch über. Ich hab mich irre gefreut, war ich doch inzwischen "leicht" ins Schwitzen geraten. Ich lief auf die Dusche zu, die über die halbe Straßenbreite ging. Ich war eh nass vom Regen und hatte nicht mehr die Kraft, drumherum zu laufen, also mitten durch. Die letzten 2 km bin ich von meinen Endorphinen zum Ziel geflogen worden und habe meine letzten Kräfte mobilisiert. Ich bin ANGEKOMMEN!


Meine Nettozeit war 1:11:26. Es waren zwar ungefähr 3000 Läufer vor mir ins Ziel gekommen, aber es waren noch satte 2000 Läufer hinter mir. Nach dem Zieleinlauf fühlte ich mich so frisch, dass ich mich etwas geärgert habe, dass ich wohl doch nicht bis an meine Grenzen gegangen zu sein schien. Ich habe mich immer etwas ausgebremst aus Angst, dass mir am Ende die Kraft ausgeht. Immerhin bin ich lächelnd ins Ziel:


Ich werde weiter im Lauftraining bleiben, einfach weil ich merke, dass es mir unglaublich gut tut. Als Anreiz, I-Tüpfelchen habe ich mich gleich zum nächsten Kiel.Lauf angemeldet und davor noch zum 10,5 km Lauf beim Kiel-Marathon im Februar. Vielleicht vorher im Dezember noch ein Nikolauslauf, mal schauen. Ich finde das Lauftraining an sich schon toll, diese Bestätigungen durch Wettkämpfe geben dem Ganzen nochmal eine Extranote.

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du darfst stolz bis zum "platzen" auf dich sein - ich ziehe den Hut vor dir

      Löschen
  2. Wow, herzlichen Glückwunsch!!
    Ich bin nach ein bissl mehr als 3 km schon streichfähig - ich sollte auch wieder ein bisschen mehr trainieren. Ich würde gerne hier auch mal bei einem 5 km Lauf mitmachen, ohne dass ich Letzte werde ;)

    LG
    Claudia

    AntwortenLöschen